
18. Febr. 2009

18. Febr. 2009
Ist immer noch alles beim Alten hier. Ich wollte mal wieder vorbeischauen, bei meinem Baby. Ist eine gute Arbeit. T. Bier sagt, Baby your Blues, das war dein Durchbruch. Ich sehe das auch so. Damals stand ja vieles recht kippelig. Allerhand Sorgen machte ich mir. Aber ich bin dann weiter. So ist das. Hat ne Menge Spaß gemacht hier. Hat auch Ärger gegeben. Ich denke immer wieder an die Worte von Robert Gernhardt: „Was ist wichtiger für einen Künstler, die Legende oder das Werk?“
Für mich stand damals fest, es muß etwas geschaffen werden. Das tut es auch heute noch. Ich finde, es war eine riesige Zeit. Auch wenn ich dann den Kopf verloren habe. Das tut mir leid. Gut, daß ich damals nicht gesagt habe: „Der Letzte macht das Licht aus.“

„Professor, na, mit was für Brot überraschen sie uns? Wieder ein Brot von Gestern?“
„Loreine, ein Brot vom Vortag.“
Herr Professor ist ein Sparfuchs. Er lebt gern gut, es darf was kosten, das Leben, aber: „Das Brot vom Vortag ist ebenso gut wie ein frisches, sogar bekömmlicher. Und gerade heute ist es eines mit Sonnenblumenkernen, zudem ist es das Brot der Woche, also auch noch mal um etwas preiswerter, zusätzlich dann minus 25 %.“
Kuchenstücke gibt’s auch vom Vortag. „Die Preise für Butter und Milch ändern sich nun fast wöchentlich, seit die Kurse für das Rohprodukt auf dem globalen Marktplatz verhandelt werden. Der Chinese, wenn er die Kuhmilch wegen eines vorgeblich fehlenden Enzyms auch nicht verträgt, er redet jetzt ein Wörtchen mit. Vorige Woche kostete die Butter 73 Cent die 250 Gramm, heute 93, ich habe sie schon für 88 und für 105 Eurocent gekauft. Der Milchbauer beobachtet das alles mit gemischten Gefühlen, mal kippt er aus Ärger und Protest Milch auf die Straße. Niemand hat mehr so recht Vergnügen, dennoch wünscht man sich untereinander ‘Viel Spaß’. “
„Herr Professor, eine gänzlich andere Sache ist aber die Ehrung des Schauspielers Elmar Wepper durch die Nachbargemeinde Planegg. Wepper, den ich voriges Jahr vor der Post in seinen Wagen steigen sah, erhielt im April d.J. für seine Darstellung in „Kirschblüten“ die Auszeichnung „Bester Deutscher Schauspieler“. Deshalb empfängt ihn die Planegger 1. Bürgermeisterin in der neuen Aula, und nach der Eintragung ins Goldene Buch, Termin 24. Juni, sind alle Planegger Bürger zu besagtem Film eingeladen.“
„Das dürfte eng werden in der neuen Aula.“
„Sie sprechen es an. Für Ihre Statistik, Brim, neun Verkehrsunfälle in der letzten Wochen, mehrere Trunkenheitsfahrten. Im Einzelnen:
Außerdem wurde einem Mann eine Geldbörse entwendet und, äußerst dreist, ein Ceran-Kochfeld aus dem LKW des Monteurs gestohlen. So, nun muß ich Giovanni die Gitarrensaiten verpacken.“
„Und ich darf sie an den 13. September erinnern: Flohmarkt Straßenfest.“
Bitte. Danke.
Brief aus Vernazza vom 30.5.2008
Mein verehrter T. Bier,
jetzt treiben Sie sich wieder in der von Pollen, – derzeit Gräser -, schwangeren Gräfelfinger Luft herum, während ich mich im Land meiner Väter aufhalte und kaum ein Wort dieser so wunderbaren Sprache verstehe. Ich bin auf der Gemeindeverwaltung respektvoll empfangen worden, aber ein Mann mit einem italienischen Namen, der über Buon Giorno, mangiare come un bufalo , Grazie, Prego, uno duo tre nicht weit hinauskommt, das wirft ein trauriges Licht auf mich. Meine Vorsprache auf der amministrazione comunale war weniger schwierig als etwas überraschend, denn mein Gesamteindruck ist, daß man mich für einen harmlosen Spinner bzw. für einen buffone hält. Man verlangte eine Kostprobe meines Könnens, doch wie der Zufall es will, riß mir im dritten Takt eines Stückes von Sor die D-Seite. Wenn Sie so gut wären, mit zwei Sätze Savarez-Corum-Saiten 500 ARJ und zwei Päckchen blaue Hannabach zu schicken. Sie finden in diesem Brief 65 Euro, die müßten reichen. Derweil werde ich auf den verbleibenden fünf Saiten mich mit Fingerübungen geschmeidig halten.
Übrigens ist das von Aznavour vorgestellte Video eine Wolke. Viel besser als der Song von Grönemeyer, „Wann ist ein Mann ein Mann“, denn dieser bochumer Rockbarde war nie mein Fall, und wird es nie sein. Gegen die starke Sonneneinstrahlung habe ich mir eine Kappe gekauft und eine Sonnenbrille. Aber das nur nebenbei.
Wenn ich von meiner Seite etwas für die Reanimation von Baby your Blues tun kann, lassen Sie es mich wissen. Finanziell sieht es eher mau aus, das will ich gleich vorher sagen. Und so weit ich unterrichtet bin, wird Achim alsbald wieder auf der Erde landen. Die Tullus Alpha 11 wird überholt. Wenn Sie ihn als Chefredakteur akzeptieren, würde ich mit ihm sprechen. Ein faszinierender Mann. Grüßen Sie mir Brim und Guido und Loreine.
Ihr
Giovanni
Beginnen wir mit ein wenig Musik.
„Halt, meine Herren, so ganz ohne Frau geht es aber hier nicht ab!“
„Muß das jetzt sein? Können wir hier nicht einfach in Ruhe unsere Arbeit machen?“
„Meine Herren, Blues ist immer auch Frau, Mann, Liebe, Entsagung, Keingeld und Weitermachen. Ohne mich, meine Herrschaften, würden sie in ihrer frischen Redaktionsstube alsbald sich auf die Nerven gehen. Gehen sie mal davon aus.“
„T. Bier, was halten sie davon?“
„Professor?“
„Guido?“
„Ich, meine Herrschaften, ich möchte schon jetzt nicht mehr auf sie verzichten. Es ist die gute Loreine Nice, habt ihr sie nicht erkannt, ihr Schlafmützen.“
„Loreine, du siehst fantastisch aus.“
„Ja, aber wirklich.“
„Herr T. Bier, sie sind auch wieder zurück? Wie war’s auf Sizilien? Ich freue mich, sie zu sehen.“
„Ja, Professor. Die Freude ist ebenfalls auf meiner Seite. Ich kann nicht klagen, verehrter Brima.“
„Guido! Auch sie hier. Jetzt wird der Hund in der Pfanne verrückt, und Schorschi und habe die Ehre, Mademoiselle Ninett. Alle wieder versammelt. Gräfelfing, für eine Zeit habt ihr uns wieder.“
„Imp liegt flach, im Blackwood Forest. Er wird sich freuen, daß wir wieder was anpacken. Räumen wir erst mal was auf. Ein wenig Staub gewischt. Frische Luft herein. Und Schorschi, Tournee erfolgreich?“
„Also los.“